Die Deutschen überzeugten vor dem Start (noch) nicht

München war gestern Schauplatz der ungewöhnlichen Eröffnung eines sportlichen Großereignisses, das sich seinen Weg in den europäischen Kalender bahnt – die multidisziplinäre Europameisterschaft. Sie fand ab 18:30 Uhr im Olympiapark statt. Der Eintritt war frei, aber die Veranstalter baten die Besucher nur darum, anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Olympischen Spiele „an einem der schönsten Orte“, wie sie es ausdrückten, besonders entspannt zu sein. „Der Olympiapark ist ein Ort für Sportler. Für Künstler. Für Sportbegeisterte. Für Familien. Für uns alle. Also füllen Sie den Park mit uns mit neuen Erinnerungen“, schrieben sie. Tausende Besucher des Parks sangen zu den Klängen des deutschen Rappers Marteria, der Musikgruppe Moop Mama und genossen die Darbietungen von Straßenkünstlern und Wasser- und Feuershows an einem heißen Spätsommernachmittag und einem angenehmen Wind.

Der erste Eindruck bei der Anreise zur Europameisterschaft in neun Sportarten ist, dass alles nach dem „Do-it-yourself“-System ablaufen wird. Abgesehen von ziemlich unnötigen Transporten rund um den Olympiapark werden die Organisatoren nämlich keinen einzigen Bus zur Verfügung stellen, der entweder um die Veranstaltungsorte zirkulieren oder zum Hauptpressezentrum in der kleinen Halle des Olympiaparks führen würde. Die Anfahrt zu allen Veranstaltungsorten mit öffentlichen Verkehrsmitteln sowie Umstiege bei U- und S-Bahnen, Straßenbahnen und Bussen sind erforderlich. Münchens öffentliches Verkehrssystem ist so komplex wie ein undurchdringliches Spinnennetz und erfordert eine beträchtliche Beherrschung der unverzichtbaren mobilen Apps der Stadt. Es wird viel Einfallsreichtum erfordern. Auch an den Veranstaltungsorten selbst, da die meisten nicht über große journalistische Kapazitäten verfügen.

Sie sagen, dass in München am Ende alles stimmt

Der Akkreditierungsprozess war ungewöhnlich. Da mein Pass leider bald abläuft, ist er ziemlich vollgestopft mit diversen Visa aus dem letzten Jahrzehnt. Vor der Ausstellung der Akkreditierung muss jeder eine Polizeikontrolle bestehen. Der Vorgesetzte blätterte minutenlang im Pass, zeigte ihn den Kollegen, prüfte… Er stellte keine persönlichen Fragen und „fing“ dennoch ohne unnötigen Mehrstress in der Halle, wo die Geschwindigkeit stand, mit der Ausstellung der Akkreditierung an Eislaufwettbewerbe fanden 1972 statt. Später am Nachmittag ging im Hauptpressezentrum die Tinte im Drucker aus, der unerwartet für mehrere Stunden ersetzt wurde. Multikulturelle Freiwillige jeden Alters konnten viele Fragen nicht beantworten. Aber sie zeigten sich mit gutem Willen und der Antwort, dass in München am Ende alles an seinem Platz ist. Es erinnert an den berühmten Satz der Bayern-Fußballer, der besagt, dass jedes Jahr 18 Vereine in der Bundesliga antreten und der Meister am Ende immer das Symbol und der Stolz der Bayern ist.

Dass das Vorhaben, neun Europameister zu werden, auch für die stets präzisen Deutschen kein leichtes Unterfangen wird, liegt auf der Hand. Die Erfahrung der Vergangenheit zeigt, dass sie jeden größeren Wettbewerb, den sie durchgeführt haben, vorbildlich organisiert haben. Wir glauben, dass dies auch in diesem Jahr der Fall sein wird. Etwas sparen wird die Organisation wohl, wenn sie sagt, dass im Pressezentrum nur gefiltertes Leitungswasser kostenlos ist. In diesen Zeiten ist es jedoch ein Gebrauchsgut, das allen Respekt verdient. Die meisten alkoholfreien Getränke in der Gegend kosten zwischen dreieinhalb und vier Euro, ein Cappuccino kostet 4,20 Euro und Bier im Plastikglas kostet 6 Euro. Ein griechischer Journalistenkollege, der seine Finger noch nicht auf Betriebstemperatur erwärmt hat, bemerkte salopp, dass man in mindestens einer Ecke ein Hopfengetränk für fünfeinhalb Euro finden könne. Eine Margherita-Pizza, die von der Größe her eher einer Pizza gleicht, kostet im Olympiapark neuneinhalb Euro. Einen Euro mehr mit Salami.

Erinnerungen an Trophäenrudern

Der erste Tag der elftägigen Meisterschaft, die bis zum 21. August dauert, ist die slowenische Sporteinführung. Als Erste betritt die Arena die beste slowenische Athletin Janja Garnbret, die sich ab 10 Uhr im schwierigen Sportklettern qualifizieren wird. Disziplinen, in denen sie bislang in drei WM-Spielen ungeschlagen ist. Neben den preisgekrönten slowenischen Athletinnen werden auch Mia Krampl, Vita Lukan, Lučka Rakovec und Sara Čopar versuchen, die Qualifikation zu überstehen. Sportkletterer messen sich zwischen 10 und 17 Uhr im Bouldern. Slowenien wird von Jernej Kruder, Anže Peharc, Luka Potočar, Gregor Vezonik und Zan Sudar vertreten.

Wenige Minuten vor 16:30 Uhr am Nachmittag treten die slowenischen Turnerinnen heute in der dritten Qualifikationsgruppe an. Die meiste Aufmerksamkeit wird Teja Belak und Tjaša Kysselef gelten, die im Finale des großen Wettkampfs am Sprung um einen neuen Platz kämpfen werden. Da sich die besten slowenischen Turnerinnen bereits einen Auftritt bei der diesjährigen Weltmeisterschaft gesichert haben, werden auch Lucija Hribar, Zala Trtnik und Sara King versuchen, sich über den Mehrkampf für den größten Wettkampf zu qualifizieren. Gestern verpassten wir in der Olympiahalle das letzte Training der slowenischen Turnerinnen um wenige Minuten. Selektor und Cheftrainer Andrej Mavrič teilte uns mit, dass seit Sonntag alles reibungslos und nach Plan laufe.

Am ersten Tag der Meisterschaft finden auch Qualifikationen im Rudern statt. Slowenien wird mit fünf Booten an den Spielen teilnehmen, nämlich Nina Kostanjšek und Filip Matej Pfeifer im Einsitzer, Rajko Hrvat im leichten Einsitzer, Jaka Čas und Nik Krebs im Doppelsitzer und Nik Ažbe Magajna und Jaka Malešič im leichten Doppelsitzer . München nimmt einen besonderen Platz in den slowenischen Ruder-Annalen ein. 2007 wurden in Bayern Luka Špik und Iztok Čop Weltmeister im Doppel.



Hildebrand Geissler

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