Unerhört: Helmut K. Anheier, Professor für Soziologie an der Hertie School of Governance in Berlin

Helmut Anheier, Professor für Soziologie (Foto: Dokumentation Dnevnik)

Doch Scholz hat sich bislang als unnachgiebiger Anführer erwiesen. Trotz seiner Vorsicht versteht er die Bedeutung der historischen Wende. Deutschland wird an Herausforderungen nicht mangeln – von der russischen Sicherheitsbedrohung und der politischen Instabilität seiner westlichen Verbündeten bis hin zum Niedergang der Demokratie und der drohenden Wirtschaftskrise in der EU. In einem Kommentar, der im Juli in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlicht wurde, präsentierte Scholz starke Antworten auf diese Probleme, forderte die EU auf, eine geopolitische Macht zu werden, und deutete an, dass sie bereit sei, dafür Souveränität aufzugeben. Während seiner jüngsten Rede in Prag bekräftigte er sein Engagement für EU-Reformen. Gleichzeitig plädierte er für eine stärkere Nutzung von Mehrheitsentscheidungen im Europäischen Rat, eine stärkere Sicherheitskooperation, eine Reform des Stabilitätspakts und eine Ausweitung auf den Westbalkan, die Ukraine, Moldawien und Georgien.

Mit einer relativ gesunden Wirtschaft, einem starken Bekenntnis zu einer liberalen Ordnung und der EU sowie einer funktionierenden Regierung könnte Deutschland während der aktuellen Krisen Europas beste Hoffnung sein, vorausgesetzt, die US-Unterstützung für die Ukraine bleibt stark.Abend


Hildebrand Geissler

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