Es hat kein Meer, aber viel Wasser – und den höchsten Hügel, 201 Meter hoch

Wir kamen zu Fuß nach Brandenburg und überquerten die berühmte Glienicker Brücke, eine Brücke, die während des Kalten Krieges für Spionageaustausche zwischen den USA und der UdSSR berühmt war. Vorsichtig stieg ich über die in der Mitte der Brücke eingebaute eiserne Trennwand mit der Reliefinschrift: Deutsche Teilung bis 1989. Nach dem Bau der Berliner Mauer im Jahr 1961 konnten nur Angehörige der Alliierten und Diplomaten diese Stahlbrücke regelmäßig überqueren. An einem grauen Morgen auf der Brücke neben dem ehemaligen Eisernen Vorhang zu stehen, erinnert an den Kalten Krieg, der in letzter Zeit wieder gefährlich heiß geworden ist.

Überall, wo wir über die Grenzen Berlins hinausgehen, befinden wir uns in Brandenburg, das wie die deutsche Hauptstadt eines der 16 Bundesländer und das größte der fünf im Osten Deutschlands, der ehemaligen DDR, ist. Mit einer Fläche von 29.654 Quadratkilometern ist es fast halb so groß wie Slowenien, hat aber auch ein paar hunderttausend Einwohner mehr (2,53 Millionen).

Deutsche Teilung bis 1989, Gedenkstätte an der berühmten Brücke FOTO: Milan Ilić

Direkt an der südöstlichen Grenze von Berlin liegt Potsdam, die größte und Hauptstadt Brandenburgs mit etwa 180.000 Einwohnern. Sie ist eines der beliebtesten Ausflugsziele für Touristen, die für mehrere Tage nach Berlin kommen. Die S-Bahn S7 benötigt für die 28 Kilometer lange Strecke vom Berliner Hauptbahnhof zum Potsdamer Hauptbahnhof 40 Minuten.

Deutsches Versailles

Die zentralen Sehenswürdigkeiten Potsdams sind drei Herrenhäuser. Das berühmteste ist Sanssouci, das hauptsächlich in den sechziger Jahren des 18. Jahrhunderts erbaut wurde. Wie sein französischer Name, der „keine Sorgen“ bedeutet, vermuten lässt, war es die Sommerresidenz des berühmten preußischen Königs Friedrich II. Der Grosse. Das deutsche Versailles ist eine der berühmtesten europäischen Schloss- und Gartenanlagen, besonders schön ist ein Spaziergang entlang der zwei Kilometer langen Hauptallee des Schlossparks. Das gesamte Gebiet von Sanssouci ist UNESCO-Weltkulturerbe, zusammen mit zwei weiteren Schlössern und Parks in Potsdam und mehreren ähnlichen in Berlin.

Der Cecilienhof, der Ort der Potsdamer Konferenz, ist einer der berühmtesten Orte, die an die globale Geopolitik des 20. Jahrhunderts erinnern. Das Herrenhaus wurde Anfang des 20. Jahrhunderts im englischen Landhausstil erbaut und nach der Frau des damaligen deutschen Thronfolgers, der Schwiegertochter Wilhelms II., benannt. Deutsch, der letzte deutsche Kaiser. Im Juli 1945, zwei Monate nach der Kapitulation Hitlerdeutschlands, verhandelten der amerikanische Präsident Truman, der sowjetische Diktator Stalin und der britische Premierminister Churchill mehrere Wochen lang im Cecilienhof über die Weltordnung der Nachkriegszeit. (Damals verlor Churchill die Wahl im Vereinigten Königreich, also wurde er auf dieser Konferenz sofort durch den neuen Premierminister Attlee ersetzt.) Truman teilte Stalin dann mit, dass er eine Atombombe habe, was der sowjetische Führer bereits wusste. Die erhaltenen Möbel des Cecilienhofs und der große rote fünfzackige Blumenstern im Garten erinnern an die Potsdamer Konferenz.

Das Schloss Cecilienhof, Ort der Potsdamer Konferenz, ist einer der berühmtesten Orte, die an die globale Geopolitik des 20. Jahrhunderts erinnern.  FOTO: TMB

Das Schloss Cecilienhof, Ort der Potsdamer Konferenz, ist einer der berühmtesten Orte, die an die globale Geopolitik des 20. Jahrhunderts erinnern. FOTO: TMB

Potsdam hat auch ein malerisches Holländisches Viertel mit 134 zusammenhängenden Häusern im typisch holländischen Stil des 18. Jahrhunderts. In der Stadt sind auch die Holzhäuser der ehemaligen russischen Kolonie Aleksandrovka erhalten geblieben. Sie wurden 1827 im typisch russischen Landhausstil für russische Soldaten errichtet, die während der Napoleonischen Kriege in der preußischen Armee waren und sich in Potsdam aufhielten. Sie sagen, dass ihr letzter direkter Nachkomme, der hier lebte, 2008 starb.

In Potsdam ist auch ein drittes Herrenhaus mit Park einen Besuch wert; Babelsberg wurde Anfang der 1830er Jahre im Stil der englischen Neugotik erbaut und war als Sommerresidenz des preußischen Kronprinzen Wilhelm, des späteren ersten deutschen Kaisers, geplant.

Die berühmten Gurken

Obwohl Brandenburg keinen Zugang zum Meer hat, hat es eine sehr große Küstenlinie; Man sagt, dass es im Land 3.087 Seen gibt und viele Flüsse, Sümpfe, Polder … Viele dieser Gebiete sind als Naturschutzgebiete geschützt. Ein beliebtes Ausflugsgebiet der Berliner, Potsdamer, Cottbuser (mit rund 100.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt des Landes Brandenburg) und anderer Städte ist der Spreewald, eine Region im Südosten des Landes. Wir fuhren mit einem schmalen Langboot den Spreewald entlang, durchsetzt mit Sümpfen, Kanälen, Flüssen …. Einige Hütten und Häuser sind nur über das Wasser zu erreichen. Postboten fahren auch mit dem Boot dorthin. Vor einigen Häusern sehen wir kleine Holzkäfige im Wasser, in denen Fische schwimmen.

Ein hervorragendes Ausflugsziel für alle, die gerne mit Kajaks und anderen Booten auf dem Wasser unterwegs sind.  FOTO: Heiko Rosteius

Ein hervorragendes Ausflugsziel für alle, die gerne mit Kajaks und anderen Booten auf dem Wasser unterwegs sind. FOTO: Heiko Rosteius

Der Spreewald ist nicht nur in Deutschland berühmt für seine Gurken, frisch und eingelegt. Der Humusboden dieses Teils Brandenburgs ist ideal für den Anbau von Spreewälder Gurken (Spreewaldgurken), dessen Ursprungsbezeichnung in der EU geschützt ist. Auch der Gurkenweg führt durch das Gebiet. Am südlichen Rand der Region liegt Cottbus (Niederlausitz Chóśebuz), eine Stadt mit einem schönen historischen Kern, einem typisch mitteleuropäischen großen zentralen Platz und vielen Parks. An der Schnittstelle zwischen Polen und den Bundesländern Brandenburg und Sachsen-Anhalt leben die Lausitzer Serben, die einzige überlebende historische Minderheit slawischer Wurzeln in Deutschland. In der Niederlausitz im Südosten Brandenburgs wurde die Raddusch, eine große kreisförmige Holzfestung der ehemaligen Slawen, an ihrem ursprünglichen Standort nahe der Stadt Vetschau/Spreewald (niederlausitzer serbisch) rekonstruiert Wětošow/Błota).

Besonders bunt im Frühling

Die Fahrt nach Norden in Richtung Mecklenburg-Vorpommern kann ziemlich deprimierend sein, besonders wenn das Wetter bewölkt und regnerisch ist. Die Landschaft ist grau, die Umgebung flach, nur stellenweise leicht hügelig, überall ragen elektrische Windmühlen hervor… Mitten im Frühling ist das ganz anders. Von blühenden Rapsfeldern bis hin zu dunkelgrünen Wäldern ist an einem sonnigen Tag überall eine Fülle von Gelb- und Grüntönen zu sehen.

Überall in Brandenburg gibt es viele Möglichkeiten zum Reiten auf Wasserstraßen, Flüssen, Seen, Kanälen... FOTO: Archiv TMB/Yorck Maecke

Überall in Brandenburg gibt es viele Möglichkeiten zum Reiten auf Wasserstraßen, Flüssen, Seen, Kanälen… FOTO: Archiv TMB/Yorck Maecke

Brandenburg ist ein tolles Reiseziel für Familien mit Kindern und alle, die gerne auf flachen Wegen Rad fahren oder Wasseraktivitäten mit Kajaks und anderen Wasserfahrzeugen genießen. Oder sie laufen einfach durch die Landschaft. Von Bergsteigen kann man in Brandenburg kaum sprechen, denn die höchste Erhebung erreicht gerade einmal 201 Meter über dem Meeresspiegel. Das Land hat mehr als 5.000 markierte Reitwege.

Auch hier gibt es keine großen Städte, aber dutzende kleinere mit erhaltenem historischem Kern, und auf dem Land gibt es viele Schlösser, Herrenhäuser und Klöster. Zu letzteren gehört das besonders beeindruckende „Barockwunder Brandenburgs“, das Kloster Neuzelle, 35 Kilometer südlich von Frankfurt an der Oder.

Das Neue Schlosstheater von Schloss Sanssouci, eines der am besten erhaltenen Barocktheater Europas, wurde kürzlich nach siebenjähriger Renovierung wiedereröffnet.  FOTO: Foto von Hans Bach/TMB

Das Neue Schlosstheater von Schloss Sanssouci, eines der am besten erhaltenen Barocktheater Europas, wurde kürzlich nach siebenjähriger Renovierung wiedereröffnet. FOTO: Foto von Hans Bach/TMB

Im brandenburgischen Barnim wird in diesem Herbst die Eröffnung einer Riesenschleuse angekündigt, die das Heben und Senken von Fluss- und Seeschiffen um 36 Meter ermöglichen soll und seit 13 Jahren im Bau ist. Auch diejenigen, die keine Schiffspassagiere sind, sondern nur an dem Phänomen interessiert sind, können die Fahrt miterleben, die etwa anderthalb Stunden dauern wird. Sie erwarten jährlich rund 150.000 Besucher.

Hildebrand Geissler

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